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Arty Chock

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Eine performative Begehung des IG-Farben-Campus

Im Rahmen eines autonomen Projektes hat das studentische Performancekollektiv Arty Chock eine „performative Begehung“ des Campus organisiert. Zwischen dem 7. und 9. Juli 2009 gab es die Möglichkeit an dem Rundgang teilzunehmen. Voraussetzung für Teilnahme war neben einer rechtzeitigen Anmeldung die Verrichtung von 4 Euro Teilnahmegebühren.

Ausgangspunkt für das Performancekollektiv, das überwiegend aus Theater-, Film- und Medienstudierenden besteht, war der Umzug der Uni von Bockenheim ins Westend. Die räumliche Veränderung gab Anlass zum Nachdenken darüber, inwiefern der Raum das Handeln bestimmt bzw. inwieweit Möglichkeiten des Handelns an räumliche Bedingungen gebunden sind. Seit Beginn des Sommersemesters 2009 hat sich die Gruppe nun wöchentlich getroffen, um Ideen auszutauschen und Konzepte für eine performative Auseinandersetzung mit diesen Fragen zu gestalten.

Ausgestattet mit einem Audio-guide, einem Lageplan der jeweiligen „Schauplätze“ und diversen weiteren Utensilien wurden die Teilnehmer auf die Erkundung geschickt. Zunächst musste der Einführungskurs, der per Audio-guide vorgetragen wurde, absolviert werden, um sich einen Überblick über die 16 Stationen zu verschaffen. Hierfür war auch der Lageplan nützlich. Neben einigen Stationen mit festem Termin, gab es etliche ohne Termin. Einigen Stationen war wiederum ein Track im Audio-guide zugeordnet, der an entsprechender Stelle abgespielt werden sollte.

Nach wenigen Schritten gelangte man bereits als Besucher in eine Offizierswohung. Ein Bewohner der Offiziersiedlungen gewährte den Teilnehmern des Rundgangs freundlicherweise Einblick in seine Wohnung. Neben Kaffee und Snacks wurden die Gäste über Geschichte und das zukünftige Dasein der Offiziersiedlungen informiert. Die Offizierswohnungen sind Teil des IG-Farben-Campus und wurden Reihe an Reihe für amerikanische Offiziersfamilien erbaut. Mittlerweile dürfen dort ausschließlich deutsche Beamte wohnen die überwiegend im Bundesgrenzschutz arbeiten. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Wohnküche, klein und rein funktional ausgerichtet.
An einer weiteren Station, an der Eingangshalle des Hörsaalzentrums, konnte man wiederum erleben wie sich der Raum allein durch entsprechende akkustische Bespielung in einen Flughafen/Transit- Bereich verwandelte. Eine andere Haltestelle setzte den Schwerpunkt auf aktive Raumaneignung. Hier wurde den Teilnehmern angekeimte Gemüsesamen bereitgestellte, die dazugedacht waren auf dem Campusrasen angebaut zu werden. Der Weg hierher führte jedoch über eine kleine Schnitzeljagd: Zuerst mussten die Besucher von einer ausgewiesenen Telefonzelle eine Nummer wählen. Die hierfür benötigten 20 Cents waren freundlicherweise der JuteTüte beigelegt. Am Telefon erhielt man dann eine Spintnummer und den dazugehörigen Code. In dem Spinkt standen schließlich die besagten Keime und Pflanzen für das Guerilla Gardening bereit.
Im weiteren Lauf gelangte man immer wieder an Orte, an denen man sich auditiv erhellen lassen konnte, insbesondere durch Textauszüge von Adorno, Michel de Certeau, Foucault oder Alan Kaprow. Der Erkundschafter wurde quasi dazu angestoßen, während seiner Bewegung durch den Campusraum eben diesen selbst zu erzeugen und durch die individuellen Schritte und Gesten seinen eigenen Raum zu schaffen.
Die verschiedenen Stationen gaben letztlich sehr gute Impulse für eine sensibilisierte Raumerfahrung. Was einigen Besuchern allerdings fehlte, war ein konkreterer Bezug zur Ausprägung eines neoliberalen Campus. Die Messestation vor dem House of Finance schien sich diesem Aspekt zu widmen. Trotzdem wäre es wünschenswert gewesen zusätzlich eine weniger subtile dafür eine mehr explizite Performance diesbezüglich zu gestalten.

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